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Ich und Deutschland? Nie in Leben!
Ja, so habe ich mein ganzes Leben, bis ich hier her gekommen bin, gedacht.
Im Alter von 16 Jahre schloss ich mein erstes Diplom in einer fremden Sprache, selbstverständlich auf Englisch, ab. Ich überlegte eine dritte Sprache zu lernen… Die Frage war: Deutsch oder Französisch?
Ich ging zu Probestunden von beiden, danach war mir klar, dass ich „nie in Leben“ etwas mit Deutschland zu tun haben werde.
In meinen Ohren war die Deutsche Sprache die unromantischste die es gibt.
Und erst die Grammatik? Unmöglich…
Für mich war diese Sprache etwas für Ingenieure, Physiker, Chemiker und Mathematiker. Die Deutsche Sprache klang wie ein Marsch und dies war für eine Samba Tänzerin wie ich unmöglich zu ertragen.
Alors, lernte ich Französisch.
Ich war in Genf als ich meinen dänischen Mann kennenlernte. Ich zog nach Dänemark um und dort lernte ich eine Sprache, die für mich viel schlimmer als Deutsch klang, aber was soll’s…
Durch die Arbeit meines Mannes landeten wir schließlich hier und so kam es dazu, dass ich jetzt selber der Meinung bin, dass ich „noch nie in meinem ganzen Leben so glücklich war, wie hier in Deutschland, bzw. München “. Für mich war diese Feststellung anfangs kaum zu glauben!
Als ich meiner Mutter erzählte, dass wir nach Deutschland umzogen waren, reagierte sie verängstigt, da selbst sie damals von diesem verrückten Attentat gegen Asylanten in Rostock wusste und ,da ,wie immer, nur die schlechten Nachrichten um die Welt gehen, war ihre Reaktion berechtigt. Meine Familie war überhaupt nicht zufrieden, denn leider ist das Image von Deutschland immer noch von dessen Vergangenheit imprägniert, da die Menschen immer noch die zwei Kriege im Gedächtnis haben, die hier angefangen haben.
Ich war auch sehr skeptisch, aber da mein Mann ein Projekt hier in München durchzuführen hatte, musste er mindestens fünf Jahre hier arbeiten.
Fünf Jahren in Deutschland…mhh… so nutzten wir die Zeit um eine Familie zu gründen. Wir kamen im März und im August war ich Schwanger.
Und ich glaube, dass meine Sympathie und meine heutige Einstellung München gegenüber, sehr, sehr viel mit der Geburt meiner Tochter zu tun haben.
Ich war Mama und Hausfrau, und zu meiner eigenen Überraschung, war ich nicht die einzige…
In Dänemark kannte ich keine Mütter, die für ihre eigenen Kinder zu Hause blieben. Sie sind zu beschäftigt mit ihren Karrieren und/oder ihren Job . Ihr Lebensmotto ist: Zuerst Geld verdienen, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren, danach ihre privaten Interessen und zu „guter letzt“ die Familie.
Hier war ich eine von vielen hoch ausgebildeten Frauen, die der Familien Vorrang gaben. Als ich das einer dänischen Freundin erzählte, sagte sie „Die Bayern sind doch Konservativ!“
Ich war nie Konservativ… Ich glaube, dass die Kinder, trotz der Emanzipation der Frauen, meiner Meinung nach, „Kuschel- kuschel“ bekommen sollten wenn es notwendig ist. Kinder brauchen die Liebe und Zuneigung von Mama oder Papa oder meinetwegen der Groß;eltern wenn sie, z.B. krank sind, anstatt das Kind in den Kindergarten zu schicken und es dort allein mit seiner Erkrankung zu lassen. Aber das ist wieder eine Geschichte.
Am Anfang war ich sehr vorsichtig mit den Deutschen und hatte immer Freunde, die Englisch, Französisch oder Spanisch sprechen konnten. Ich wollte die deutsche Sprache nicht behrschen, aus Angst meine Umgebung besser zu verstehen und so enttäuscht zu werden.
Erst als meine Tochter in Kindergarten kam war ich gezwungen mich zu integrieren. Langsam, aber wirklich sehr langsam, wurde ich ein Mitglied der Gesellschaft.
Obwohl die meisten Deutschen mir, aus Höflichkeit, die Sprachfehler nie korrigierten, haben mir alle trotzdem sehr geduldig zugehört. Bis jetzt habe ich noch nie schlechte Erfahrungen mit irgendjemand gemacht.
Alle Eltern, Erzieherinnen und Lehrerinnen sind sehr nett zu mir und meiner Tochter. Und es ist die Art von „nett“, die von Herzen kommen und nicht aus Höflichkeit, weil ich ein Gast in ihrem Land war.
Nie habe ich das Gefühl von Rassismus oder Fremdenfeindlichkeit gehabt, wie ich sie übrigens in der USA gespürt hatte.
So glücklich wie ich war mit meiner neuen Rolle als Mama und Hausfrau, schlug ich meinem Mann vor hier eine Firma zu finden, in der er länger als fünf Jahre arbeiten konnte.
Und deshalb wohnen wir jetzt immer noch in München.
Heute, nach dreizehn Jahren als Hausfrau und keiner Arbeitserfahrung in Deutschland, habe ich einen Job. Ich kenne kein anderes Land wo das möglich wäre, besonders wenn es sich um einen Ausländer handelt. Selbst in Dänemark, habe ich einmal von einen Arbeitsamtsbeamten zu hören bekommen: „ Arbeit als erstes für Dänen!“.
Durch meinen Job habe ich täglich Kontakt mit der Bevölkerung und lerne die Stadt sehr gut zu kennen. Obwohl ich die Sprach noch nicht 100% beherrsche, lache ich oft über die kleinen Alltags Witzen, die immer zu hören sind.
Ein Mal in Brasilien hörte ich von einer polnischen Jüdin, die von dem Warschau Ghetto geflohen war, dass sie eine überzeugtere Brasilianerin war als ich und dass sie ihre brasilianische Staatsangehörigkeit viel mehr im Herzen hatte als ich. Ich lachte und war stolz auf mein Land und meine Bevölkerung.
Ich kann immer noch nicht sagen, dass ich das gleiche Gefühl für München empfinde, da ich ja kein Flüchtling bin, aber die Sympathie, die ich für diese Stadt und ihre Bevölkerung empfinde löst in mir den Wunsch aus hier noch viele, viele, viele Jahre zu leben… Vielleicht den Rest meines Lebens!
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